Meine Wortfindungsstörigkeiten
Eine unvollständige Liste der peinlichen Dinge
Google Maps öffnen, weil man im Zoo den Ausgang nicht findet.
Dabei das Handy so lange herumdrehen, bis man weiß, in welche Richtung man gehen muss.
Autokorrektur übersehen. Der Verlagsherstellerin einen Schneeschuh (Schnellschuss) ankündigen, dem Übersetzer ein halbfettiges (halbfertiges) Manuskript schicken und aus Schöffling den Schönling Verlag machen.
Nachts und ohne Brille Erinnerungsmails an sich selbst schreiben und am nächsten Morgen rätseln, was mit „Npcher abfopen“ oder „Fermon grim Iotiker“ gemeint sein könnte.
Was man für Dinge googelt, wenn man mit einem Text nicht weiterkommt. („iPhone Wetter Sonne nicht mehr gelb“) (Lösung: Unter Einstellungen – Bedienungshilfen – Anzeige & Textgröße – ‚Kontrast erhöhen‘ deaktivieren.)
Tagelang müde sein und ChatGPT fragen, ob es ein frühes Stadium von Borreliose sein könnte.
Auf „Allen antworten“ klicken, wenn die Antwort lautet „Was hat denn der zum Frühstück geraucht“ und diese Antwort nur an eine Person gehen sollte.
Einen Facetime-Anruf annehmen und ans Ohr halten.
Immer wieder die korrekte Schreibweise von „Büfett“ nachschauen müssen. (Und immer wieder feststellen, dass „Buffet“ wie in Bernard Buffet auch geht.) (Aber: Warren Buffett.)
Von der Laufgruppe für sein Asthma bedauert werden, weil man schnaufend abgehängt ist, aber man hat gar kein Asthma.
Einar Schleef für eine Lesereise vorschlagen, aber zu dem Zeitpunkt ist Einar Schleef schon seit drei Jahren tot.
Hadern mit den Pluralformen von Morgen, Status, Fragebogen, Kirmes, Couch und Streit.
Sich ausgerechnet beim Wort „Wortfindungsstörungen“ verhaspeln und jedes Mal „Wortfindungsstörigkeiten“ sagen.
„Gib mir noch zehn Minuten“ oder „Dauert nicht lange“ sagen – zum Hund.
Ein Emoji suchen und wissen, dass der andere sieht, dass man schreibt (Schreibt…). Und nach längerer vergeblicher Suche mit „OK“ antworten.
Frustriert sein darüber, dass es keine Emojis gibt für Artischocke, Leuchtturm, Kühlschrank, Weißwein oder Rotkehlchen.
Weinen bei der Verleihung von Sportmedaillen und Buchpreisen, bei Hochzeiten, Taufen, Bach, The X Factor und bei der Nachricht vom Tod eines unbekannten Hundes auf Instagram.
Nice, sweet oder „Das crazy“ sagen, wenn Jugendliche in der Nähe sind. (Das ist cringe.)
Dem Arzt sagen, was „Dr. Google gesagt hat“.
Oder: „ChatGPT hat Sie empfohlen.“
Im Zug von der Schaffnerin angesprochen werden und statt der Kopfhörer die Maske abnehmen.
NATO hören, wenn von einer Nahtod-Erfahrung die Rede ist.
Auf der Buchmesse „Oh hallo, Herr Schnibben“ sagen, aber es ist nicht Cordt Schnibben, sondern Daniel Cohn-Bendit.
Flüstern in der Apotheke.
Kleinlich sein mit Anführungszeichen, falschen Apostrophen, fehlender Zusammenschreibung („Kräuter Tee“), Satz- und sonstigen Fehlern.
Aber dann zu faul sein für das groß geschriebene „Du“ in Kurznachrichten.
Mit dem Chatbot meckern, weil er a) zu ausführlich, moralisch oder höflich ist, b) auf falsch verstandene Fragen („Spricht eine Seemeile?“) ernsthaft antwortet oder c) immer das letzte Wort haben muss.
Fröhlich eine Umkleidekabine verlassen und erst viel später von einem Fremden darauf aufmerksam gemacht werden, dass man das Kleid beim Wiederanziehen versehentlich hinten in die Strumpfhose gestopft hat.
„Meine Güte, bist du groß geworden“ sagen.
Erledigte Dinge nachträglich auf eine To-Do-Liste schreiben, um sie dann abhaken zu können.
Mit einem Meeresbiologen verheiratet sein und beharrlich Schnecken und Muscheln verwechseln.
Gegen Vierjährige verlieren bei Memory.
Festnetznummern aus der Kindheit (Familie, Freundinnen, Nachbarn) auswendig wissen, aber weder die Handynummern der engsten Verwandten noch die PIN der eigenen Kreditkarte.
Passwörter an einem „geheimen“ Ort speichern.
Nie wissen, welcher Hermann wie geschrieben wird (Herman Melville, Hermann Hesse, Herman Bang, Hermann Lenz, Onkel Hermann, Meike Herrmann).
Gelikt, geupdatet, gefacetimt oder downgeloadet zwar sagen, aber einfach nicht schreiben können.
Bahrein, Nauru und Guyana nehmen bei Stadt Land Fluss, aber keins der Länder auf der Karte finden.
Preise manchmal immer noch in D-Mark umrechnen, um zu betonen, wie teuer etwas ist.
Verschwenderisch sein bei Abos, Büchern, Online-Kursen und Anti-Aging-Produkten, aber Papier sparen und zu lange warten mit der Anschaffung einer neuen Pfanne oder Zahnbürste.
Bücher nicht abbrechen, obwohl sie langweilig oder schlecht sind, aber man denkt, es kommt noch a) eine überraschende Wendung, b) eine autobiografische Enthüllung oder c) eine Sexszene.
Absurde Listen schreiben.
> F.A.Z., 30.01.2026